Guter Unterricht macht Spaß!

Sind Sie Entertainer?

Wieso ich Sie das frage? Weil Teilnehmer mit Spaß viel leichter lernen. Und weil eine ordentliche Portion Entertainment nicht nur den Teilnehmern das Unterrichtsleben leichter macht, sondern auch Ihnen selbst! Am Anfang wusste ich das nicht. Weder, dass eine Art Unterhaltungsgen gebraucht wird, noch, dass ich es überhaupt habe. Lesen Sie, wie es mir ergangen ist und wieso das für mich ein Aha-Erlebnis war …

Wie ich Ihnen schon in diesem Beitrag berichtet habe, bin ich mehr durch Zufall Dozentin geworden. Das war nicht mein Plan oder mein Ziel, weil ich nicht angenommen hätte, dass diese Tätigkeit etwas für mich wäre.

Kursziel Teilnehmer befähigen

Nachdem ich die Herausforderung zu unterrichten angenommen hatte, habe ich mich hingesetzt und habe die gewünschten Kursmodule für die berufliche Aktivierung erstellt. Dabei habe ich mir vorgestellt, was ich mit meinem Unterricht bewirken möchte: Ich wollte Lust auf die Tätigkeit vermitteln, Sicherheit durch Wissen geben, Raum für Kreativität lassen, Zeit für Entfaltung der Persönlichkeit. Kurz: Ich wollte meine Teilnehmer befähigen und somit Ihr Selbstvertrauen durch Wissen und Tun stärken.

Inhalte

So erhielt jedes der 40 Module einen roten Faden, der mit der Frage begann: Was ist das, worum geht es? Natürlich sollten sich hier die Teilnehmer gleich schon einbringen. Ich dachte ja, das sei auch ihr eigenes Interesse sich diese Themenfelder zu erschließen. Ich bin also davon ausgegangen, dass wir am Ende alle dasselbe wollten. Dann wollte ich darauf aufbauen, ein paar Übungen und Vertiefung einstreuen, am Ende alles zusammenfassen und mich daran erfreuen, dass die Teilnehmer richtig schön was gelernt hatten.

Ausarbeiten mit Struktur

Da ich ein gründlicher Mensch bin und strukturiertes Vorgehen mir selbst hilft, war es natürlich nicht genug die Inhalte auszuarbeiten. Sowieso musste ein Fahrplan erstellt werden, wann was während des Unterrichtstages wie oder womit vermittelt werden sollte.

Dazu gibt es sowohl die Möglichkeit eine Art Agenda in Kurzform zu erstellen, die auch dem Auftraggeber als Richtschnur zu den Inhalten dient, als auch die minutiös ausgearbeitete Version der umfassenderen Planung, die für einen Unterrichtstag schon mal zwei bis drei Seiten umfassen kann. Natürlich als Tabelle. Und vor allem für mich selbst. Zum Einschätzen der benötigten Zeit und um in der geplanten Zeit zu bleiben. So kann sichergestellt werden, dass die geplanten Inhalte auch vermittelt werden.

Arbeitsanleitung

Und weil mir das noch nicht reichte, habe ich mir dann auch gleich ein Begrüßungsprotokoll für den ersten Tag geschrieben. Dort habe ich nicht nur notiert was wann dran ist, so als eine Art Spickzettel, – nein, – da habe ich auch gleich aufgeschrieben was ich wann sagen wollte!

Natürlich war klar, dass das nur eine Vorwegnahme sein konnte, an die ich mich im besten Fall erinnern konnte, wenn es so weit war, wenn ich vor der Klasse stand (jaja, klassisch frontal, was sonst) und die Aufregung mir auf das Gedächtnis und das Sprachzentrum schlagen würde.

Wenn Sie sich Muster zu Agenda und Kursscript anschauen wollen, tragen Sie sich gleich in den Downloadbereich ein:

Vorbereitung

Mir hat es zunächst auch geholfen ein detailliertes Kursscript zu erstellen. An meinem ersten Tag war ich rechtzeitig da, habe alles vorbereitet, die Anordnung der Tische anders vorgenommen (schwerer Fehler, wenn Teilnehmer bereits in einem Raum mit einer Anordnung von Tischen unterrichtet wurden 😉), habe mich an meinem „Lehrerpult“ eingerichtet und mutierte so langsam zur seriösen Lehrkraft.

Ich begrüßte alle Teilnehmer, die den Raum betraten, bat um Eintragung in die Anwesenheitsliste und ließ mich solange begutachten, bis die Unterrichtszeit begann.

Improvisieren

Ich folgte zunächst meinem Plan, musste mich allerdings sehr beherrschen die bereits vorgefertigten Sätze nicht einfach abzulesen. Das war eine ziemliche Konzentrationsübung, wie ich rasch merkte, so dass ich durchatmete und mich auf mein Improvisationstalent verließ. Ja, auch dieses Gen ist im Unterrichtsgeschehen ganz hilfreich. 😉

Unangenehme Konsequenzen

So nach und nach kam ich in Schwung und konnte mich gedanklich an meiner Ausarbeitung entlang hangeln. Dass die Teilnehmer zunächst immer ruhiger wurden, später dafür unruhiger, nahm ich zwar zur Kenntnis, doch ich musste ja meinen Unterricht machen …

Sie ahnen vielleicht schon worauf es hinauslief … Der Unterricht war gut vorbereitet. Der Inhalt war gut und auch gut aufgebaut. Es war eigentlich alles perfekt, – bis auf: dass ich eher steif vor den Teilnehmern stand und damit beschäftigt war alles richtig zu machen!

Widerstand

Tja, das ging ungefähr zwei Tage gut – ein halbes Jahr lag noch vor uns -, dann knallte es. Zuerst gab es vereinzelten Widerstand, der sich dann zeigte, wenn ich die Teilnehmer einbinden wollte und eine Übung vorschlug. Sie wollten einfach nicht so ohne weiteres mitmachen. Wieso nicht?

Klar war der Unterrichtsstoff für sie gemacht. Mit Blick auf ihre Person und die möglichen Bedürfnisse. Doch die Teilnehmer hätten wohl ebenso gut abwesend sein können, während meiner Darbietung.

„Frau Rottenmeier“

Am dritten Tag gab es plötzlich stärkeren Widerstand. Die Gruppe hatte einen Sprecher gefunden, der sich zunächst durch Abwertung an mich wandte. Mein Mund verkniff sich, meine Körperhaltung wurde steif. Und ich wurde bockig. Ich musste ja meinen Unterricht machen. Dann also mit eiserner Strenge, wie Frau Rottenmeier bei dem Heimatfilm „Heidi“.

Krisengespräch

Sie können sich schon denken, dass da natürlich gepflegt in die Hose ging, oder? Haha. Es folgte am nächsten Tag ein Krisengespräch mit dem Gruppensprecher und der Leitung des Unterrichtsbereichs der Weiterbildungseinrichtung. Das war schwer. Für meinen Stolz. Besonders, weil ich nicht recht verstanden hatte, was denn eigentlich das Problem war. Ich hatte doch an alles gedacht, auch an die Bedürfnisse der Teilnehmer? Wieso funktionierte das nicht?

Die Antwort war:
Ich war zu steif, zu unpersönlich, zu ernst. Das gefiel den Teilnehmern nicht nur nicht, es war ihnen sogar eher unangenehm. Und sie fühlten sich gar nicht gesehen!

Besondere Voraussetzungen

In diesem Fall gab es schon vorher eine Art Widerstandsgeist aufgrund des Umstandes überhaupt in solchen Unterricht zu MÜSSEN. Es war keiner freiwillig da. Und viele hatten schon die tollsten Dinger mit verschiedenen Dozenten erlebt, wie sich im nachfolgenden Gespräch herausstellte.

Der Unterricht war außerdem als rotierendes Verfahren angesetzt und wiederholte sich einfach immer. Wenn das letzte Modul erreicht war, ging es vorne wieder los. Einige Teilnehmer waren bereits zum dritten Mal dabei und fingen immer wieder von vorne an. Lediglich der Dozent wurde nach einem Durchgang ausgetauscht, um ein bisschen frischen Wind reinzubringen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich das aber nicht.

Konstruktives Feedback

Für mich erwies sich jedenfalls dieses Krisengespräch letztlich als segensreich. Die Teilnehmer sagten mir, dass sie mich persönlich zwar mögen würden, aber mit meinem Unterrichtsstil nichts anfangen konnten. Sie wünschten sich von mir mehr Lockerheit, mehr Einbeziehung. Das war wirklich konstruktives Feedback, muss ich sagen.

Nun, da ich wusste was ich besser machen konnte, stellte sich mir die Frage: Wie sollte ich das machen?

Mehr Entertainment

Zunächst schaute ich mir meine Planung nochmal genauer an. Ein paar Erfahrungswerte hatte ich ja nun schon. Ich speckte inhaltlich etwas ab, um mehr Zeit und Puffer zu erhalten. Baute ein wenig mehr Lockerungsübungen ein.

Umdenken

Dabei stellte sich auch bei mir selbst langsam ein Umdenken ein. Dadurch, dass ich den Fokus weg vom Schaffen des Zeitplans und dem Vermitteln der Inhalte hin auf die Umsetzung richtete, wurde ich selbst schon etwas lockerer.

Ich hatte jetzt auch den Vorteil, dass ich mit den Teilnehmern im Gespräch war. Ich stellte mich nach der Krisensitzung vor die Klasse und berichtete davon. Erzählte auch was wir vereinbart hatten und wie ich weiter vorgehen wollte. Daran konnte ich jetzt immer anknüpfen, wenn es mal nicht so lief. Der Kanal zu den Teilnehmern war offen. Ich brauchte sie bloß zu fragen, was Sie sich wünschen würden vom Unterricht.

Mit den Teilnehmern sein

So traute ich mich nun mich auf die Teilnehmer wirklich einzulassen. Zu gucken in welcher Stimmung sie waren. Ich merkte mir Witze, um sie im Unterricht zum Besten zu geben. Kopierte mir lustige Geschichten oder Bilder, um sie zu zeigen oder vorzulesen. Das kam gut an.

Entertainer sein

Mein Mut stieg und ich kam immer mehr aus mir heraus. So machte ich die Erfahrung, dass ich sogar ganz gut darin sein kann unterhaltsam zu sein, wer hätte das gedacht? Privat bin ich nicht unbedingt ein Entertainer. Aber im eher sachbezogenen Kontext gelingt es mir mittlerweile sehr gut meine Teilnehmer zu unterhalten. Sicher, dazu gehört es oft auch von sich als Mensch etwas mehr zu zeigen. Für mich war das ein alles veränderndes AHA-Erlebnis, das mir gezeigt hat, dass mit Humor auch Unterricht leichter gelingt.

Leichter lernen

Seit ich verstanden habe, dass zu einem guten Unterricht mehr gehört, als einen guten Kurs zu erstellen, habe ich eine viel bessere Zeit mit meinen Teilnehmern, und die mit mir. Und der Bonus dabei ist: In dieser Atmosphäre lernt es sich leichter. Weil Spaß haben Blockaden abbaut, den Mut steigen lässt, Anspannungen vergehen lässt und den Weg frei macht für Kreativität. So ist auch persönliche Entwicklung und Entfaltung möglich.

Ziele erreicht

Am Ende habe ich meine Ziele für einen guten Unterricht also erreichen können. Nur anders, als ich dachte. Und viel unterhaltsamer, als ich vermutete. 😉

Und Sie?

Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie solche Erfahrungen auch schon gemacht? Sind Sie Entertainer? Und wie bringen Sie Humor mit ins Spiel? Bin schon sehr gespannt auf Ihre Erfahrungen! 🙂

AHA – Erlebnis und Erkenntnis Blogparade

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch sagen, dass ich mit diesem Beitrag vorhabe zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. (Die armen Dinger. „In echt“ tue ich in der Regel nicht einmal einer Fliege etwas zuleide, grins ;).)

Dieser Beitrag soll auch an der Blogparade von David Goebel teilnehmen. Einfach, weil mein heutiges Thema und sein Motto so gut zusammenpassten:

Mein Aha-Erlebnis und meine Erkenntnis daraus –
Meine Kernaussage: Humor macht Unterricht und Lernen leichter!

Ihre Stephanie Mertens 🙂

Stephanie Mertens
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Dozentin und Beraterin bei Dozentin Mertens
Wer schreibt hier?

Stephanie Mertens hilft Ihnen einen eigenen, großartigen Kurs zu erstellen. In ihren hochwertigen Blogartikeln zeigt sie was Sie für einen großartigen Kurs tun können. Tragen Sie sich doch in den Newsletter IHR KURSHÄPPCHEN ein und verpassen Sie keinen Blogbeitrag mehr.

Das sagt Stephanie Mertens von sich selbst:

Mir macht das Unterrichten viel Spaß. Als ausgebildete Dozentin, Kauffrau und Betriebswirtin biete ich Ihnen für Ihre Selbbständigkeit ein interessantes Spektrum.

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Stephanie Mertens

Wer schreibt hier? Stephanie Mertens hilft Ihnen einen eigenen, großartigen Kurs zu erstellen. In ihren hochwertigen Blogartikeln zeigt sie was Sie für einen großartigen Kurs tun können. Tragen Sie sich doch in den Newsletter IHR KURSHÄPPCHEN ein und verpassen Sie keinen Blogbeitrag mehr. Das sagt Stephanie Mertens von sich selbst: Mir macht das Unterrichten viel Spaß. Als ausgebildete Dozentin, Kauffrau und Betriebswirtin biete ich Ihnen für Ihre Selbbständigkeit ein interessantes Spektrum. Sie haben ein Thema, über das ich einmal schreiben soll? Dann senden Sie mir einfach eine E-mail. hallo@dozentin-mertens.de

7 Gedanken zu „Sind Sie Entertainer?“

  1. Liebe Stephanie,
    ja das passiert wohl vielen Trainern und Dozenten am Anfang. Danke dass du das mit uns teilst. Denn so kann jeder sich darauf vorbereiten.

    Heute weiß ich, zuerst muss der Rapport, die Stimmung in der Gruppe gut sein. Und dann kann es an das Lernen gehen.

    Vielen Danke für deinen Beitrag zur Blogparade. Passt super und hoffentlich male ich dir keine 2 Fliegen 🙂

    Liebe Grüße,
    David

    1. Lieber David,

      gute Stimmung gefällt mir auch immer.;)

      Im Grunde ist mein Beitrag ein Plädoyer gegen zu viel Perfektionismus und für mehr Authentizität. Vielleicht fällt es dem einen oder anderen mit diesem Gedanken ja wirklich leichter den Einstieg zu einem tollen Erlebnis werden zu lassen.

      Da bin ich ja mal gespannt was aus der Zeichnung wird, wenn die 2 Fliegen nicht um den Zeichenstift kreisen. 😉

      Vielen Dank für Deinen Beitrag.

      Liebe Grüße

      Stephanie 🙂

  2. Liebe Stephanie

    Humor macht jede Unterrichtsstunde und jeden Workshop einfacher.

    Das habe ich letzte Woche wieder erlebt. Mit Humor ist es auch einfacher „Aussetzer“ zu überbrücken. Denke es ist auch gut, wenn man über sich selber Lachen kann.

    Auch das kann ansteckend sein. 🙂

    In meinen Vorträgen und Workshops habe ich immer einen Verbündeten. Mein Strichmännchen Jubis. Dieses sorg auch für einen gute Stimmung und ich kann mit Humor visualisieren.

    Lieber Gruss

    Martin

    1. Lieber Martin,

      genau, man sollte auch über sich selbst lachen können. Damit ist dann die eventuelle Spannung auch gelöst. Wunderbar. 🙂 Danke für den Einblick in Deine Erfahrungen.

      Was für eine tolle Idee mit dem Strichmännchen als Verbündeten. Setzt Du den spontan ein und erstellst ihn in der Situation, oder hast Du ein paar Jubis in der Hinterhand, die dann zum Einsatz kommen?

      LIebe Grüße

      Stephanie 🙂

  3. Hallo liebe Stephanie,

    das hat mir richtig gut gefallen. Ich habe ja auch schon oft einen Workshop gehalten und dabei gemerkt, dass ich meistens nur ein ganz grobes Konzept habe und mich dann einfach führen lassen von meiner inneren Stimme. Dann ist alles auf die Gruppe bestens abgestimmt und ich bin locker.
    Allerdings habe ich jetzt im Herbst zum ersten Mal zwei Abendseminare in der VHS vor Eltern zu halten oder vielmehr mit Eltern und da werde ich wohl einiges mitnehmen können von deinem Artikel.

    Herzensgrüße
    Silvia

    1. Liebe Silvia,

      dann klappt es ja super mit Deiner Intuition, Improvisation und dem entsprechenden Entertainment. 🙂

      Warum solltest Du das nicht so beibehalten? Auch vor Eltern hast Du so viel in Deiner Erfahrungsschatzkiste, dass das sicherlich das richtige zur richtigen Zeit dabeisein wird. Manchmal reicht es ja auch vorher ganz bewusst das eher grobe Konzept anzuschauen. Dann kommen meist schon Ideen für Gedanken wie „Was mache ich, wenn …“. Das kennst du bestimmt auch. Und dann ist das innere Gleichgewicht schnell wieder da.

      Ich wünsche Dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß mit den Abendseminaren in der VHS.

      Vielen Dank, dass Du Deine Gedanken mit uns geteilt hast. Und ich freue mich, dass Dich mein Beitrag inspirieren konnte.

      Liebe Grüße

      Stephanie 🙂

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